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nicht ganz beruͤckt werden. Der Krieg umlagerte ihn und in den kleinen Gefechten, die taͤglich vor⸗ ſlelen, ſchmolzen ſeine Truppen allmaͤhlig zuſam⸗ men; das unaufhoͤrliche Trommeln und Pelotonfener im ruſſiſchen Lager bewies, daß man dort mit der Abrichtung einer großen Anzahl von Rekruten be⸗ ſchaͤftigt ſey. Die ruſſiſchen Offiziere auf den Vor⸗ poſten fingen an, eine ominoͤſe Sprache zu fuͤhren, und fragten die Franzoſen, ob ſie auch ſchon an den nordiſchen Winter, den natuͤrlichſten und furcht⸗ barſten Alliirten Rußlands, gedacht haͤtten.„Bleibt noch vierzehn Tage,“ ſagten ſie,„ſo werden Euch die Naͤgel und Finger abfallen, wie die Zweige ei⸗ nes verdorrten Baumes.“ Es wurden der Koſacken mit jedem Tage mehr, ſo daß man eine alte ſeyti⸗ ſche Wanderung zu ſehen glaubte; es zeigten ſich wilde, ganz phanthſtiſche Geſtalten auf ungebaͤndig⸗ ten Pferden, deren lange Maͤhnen auf dem Boden ſchleiften; die innerſten Winkel der Wuͤſte hatten ſich, wie es ſcheint, aufgeſchloſſen, um ihre Bewoh⸗ ner auszuſenden. Die graubaͤrtigen Haͤuptlinge die⸗ ſer Horden ſagten den franzoͤſiſchen Offizieren Din⸗ ge, die nicht ſo lieblich klangen, als das, was Murat zu hoͤren bekam.„Hat es Euch denn in Frankreich an Korn, an Waſſer, an Luft zum Leben, oder an Erde gefehlt, um Euch nach Eurem Tode zu beſtat⸗ ten? Und warum kommt Ihr, um unſern Boden mit Euren Leichnamen zu duͤngen, auf die Euer hei⸗ W. Scort's Werke. LV. 9


