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9 Rechten einer ſtuͤrmiſchen Unabhaͤngigkeit vor, die dem unbedeutendſten Mitglied des zahlreichen Adels beinahe denſelben Rang und dieſelbe Wichtigkeit, wie ihm, gewaͤhrten. Auch mochte er— vieleicht nicht mit Unrecht— den Abſichten Napoleon's, ungeach⸗ tet ſeiner glaͤnzenden Verſprechungen, mißtrauen. Da die ruſſiſche Regierung insbeſondere ſich ge⸗ gen den hohen Adel ſehr gefaͤllig bewies, ſo war ſie bei demſelben nicht ſo unbeliebt, als man wegen ihres gewaltthaͤtigen Verfahrens bei der Theilung Polens haͤtte erwarten ſollen. Die Mitglieder des
hohen Adels ſchlugen ſich deßwegen nicht ſo allgemein auf die franzoͤſiſche Seite, als der Landadel und die
beſſere Klaſſe der Buͤrgerſchaft es thaten. Was die Maſſe des gemeinen Volkes betrift, ſo befand ſie ſich noch in demſelben Zuſtande der Leibeigenſchaft oder Dienſtbarkeit, der zur Zeit des Feudalſyſtems in ganz Europa eingefuͤhrt war; die Grundholden folgten ih⸗ ren Herren und nahmen ſich nicht heraus, eine el⸗ gene Meinung zu haben.
Waͤhrend nun Rußland den Vormarſch ſeiner Armeen beſchleunigte, nicht allein um ſeinen ungluͤck⸗ lichen Alliirten, den Koͤnig von Preußen, zu unter⸗ ſtuͤtzen oder vielmehr wieder aufzurichten, ſondern auch um jede Aufwallung des Volksgeiſtes in Polen zu unterdruͤcken, erhielt Buonaparte Zuſchriften, worin die Polen ihn aufforderten, ihnen wieder zur Unab⸗ haͤngigkeit zu verhelfen. Ein ſolches Anſinnen ſezte


