29 ren Mangel an Gehorſam ſtreng vorzuwerfen und mit Recht zu verſtehen zu geben, daß die Achtung, welche ſie ihm erzeigten, ſeinem Range und ſeiner Stelle, nicht aber ſeiner Perſon gelten muͤſſe.
Unterdeſſen brachten die natuͤrlichen Folgen dieſer grauſamen Lektion den Koͤnig und die Koͤnigin faſt bis zur Verzweiflung. Die Begebenheiten des 28. Februars hatten gezeigt, daß es ihnen nicht geſtattet ſei, ihre Freunde und Vertheidiger innerhalb ihrer Gefangniß⸗ mauern aufzunehmen; die des 18. Aprils bewieſen, daß ſie dieſen Bezirk nicht verlaſſen durften. Von Paris zu entfliehen, die geringe Anzahl ſeiner noch uͤbrig ge⸗ bliebenen getreuen Unterthanen zu verſammeln, ſchien, obgleich ein verzweifeltes, jedoch das einzige Mittel, das dem ungluͤcklichen Monarchen noch blieb, und ſchon waren die Vorbereitungen zu dem verderblichen Verſuche gemacht.
Unter verſchiedenen Vorwaͤnden hatte der Marquis von Bouillé zu Montmedy ein Lager errichtet, und dort diejenigen ſeiner Truppen zuſammengezogen, auf die er ſich am ſicherſten verlaſſen konnte. Aber ſo wenig war der allgemeinen Stimmung der Soldaten und des Volkes zu trauen, daß der General ſelbſt nur ſehr geringe Hoffnung eines guͤnſtigen Erfolgs hegte. Wohl haͤtte das Leben des Koͤnigs durch eine Flucht in fremde Laͤnder gerettet werden koͤnnen, aber zur Wiederher⸗ ſtellung der Monarchie war kaum die geringſte Aus⸗ ſicht da.


