119
„Wahr, wahr, mein theurer Nehemias,“ ſagte Rochecliffe,„aber kuͤmmre Dich nichts darum,— ein Schluck Brantwein wird alles ſchon wieder gut machen. Mr. Baxter war,“— er wollte ſagen,„ein Eſel,“ aber er beſann ſich und erganzte den Satz mit,„ein guter Mann, aber gar zu genau.“
So ſetzten ſie ſich alſo als die beſten Freunde nie⸗ der, und ſchwatzten eine halbe Stunde lang uͤber alle Schulgeſch⸗ chten mit gegenſeitigem Entzucken. Stu⸗ fenweiſe kamen ſie auf die Politik des Tages; und obſchon ſie ihre Haͤnde nicht von einander zogen und oft Ausdruͤcke wie,„nein, mein theurer Bruder,“ und,„da muß ich nothwendigerweiſe von Deiner Anſicht abweichen,“ unter ihnen gewechſelt wurden, ſo ſtimmten ſie doch wie Bruͤder in ein einſtimmiges hellroͤnendes Geſchrei, wenn die Rede auf Indepen⸗ denten und andere Secten kam, ſo daß man kaum ſagen konnte, wer wohl den Andern uͤbertraf. Ungluͤckli⸗ cherweiſe aber wurde im Laufe des Geſpraͤchs eines Bisthums erwaͤhnt, was ſie plötzlich auf die dogmati⸗ ſchen Fragen, uͤber die Regierung der Kirche brachte. Ach, da waren die Scooleußen geoͤffnet, da regnete es griechiſche und hebräͤiſche Texte, waͤhrend ihre Au⸗ gen ſpruͤhten, die Haͤnde ſich ballten, und ſie wu⸗ thenden Polemikern die im Begriffe ſind ſich die Au⸗ gen auszukratzen, weit aͤhnlicher ſahen als chriſtlichen Geiſtlichen.
Roger Wildrake trug das Seinige dazu bei, ihre Heftigkeir zu vermehren, indem er bei dem Streite den Zuhoͤrer machte. Er ergriff entſchiedene Partei, bei einer Sache, deren eigentliche Staͤrke ihm ganz unbekannt war. Von Holdenough's fertiger Redner⸗ kunſt und Gelehrſamkeit etwas beunruhigt, beobach⸗ tete der Cavalier mit äaͤngſtlichem Geſichte die Zuͤge des Dr. Rochecliffe; aber als er das ſtolze Auge und die kraͤftige Haltung des Kaͤmpfers fuͤr das Episcopal⸗ Syſtem bemerkte, und hoͤrte wie er griechiſch mit griechiſch und hebraͤiſch mit hebraͤiſch beantwortete,


