muth ihres Schwagers Cyprian ausgeſetzt hatte, ver⸗ luſtig zu werden, ſchuf ihr tauſend ſchwere Aengſten, die zu ihren ſonſtigen romantiſchen Neigungen einen ſehr proſaiſchen Abſtich bildeten und die lebensluſtige, an Ueberfluß gewöhnte Dame, die ſo viele Jahre hin⸗ durch himmelnde Frömmigkeit und irdiſche Freuden zu vereinigen gewußt hatte, faſt zur Verzweiflung brachten. In ihrer Herzensangſt entwarf ſie daher den abenteuer⸗ lichen Plan, Anna, in der ſie die alleinige Urſache ihres Unglücks erblickte, um jeden Preis als Mittel zur Ret⸗ tung vor der ihr drohenden Gefahr zu gebrauchen und ſie ſuchte und fand bald Gelegenheit, die Nichte, das „Unglückskind,“ unter vier Augen zu ſprechen.
Man kann ſich Anna's Schrecken bei dieſer Nach⸗ richt vorſtellen, die kaum erſt nach den kurz zuvor er⸗ lebten Scenen mit ihren Verwandten wieder frei zu athmen wagte. Tante Heloiſe fand es im eignen In⸗ tereſſe für rathſam, ihr die Gefahr eher noch zu ver⸗ größern und vor Allem den Zorn und die Unverſöhn⸗ lichkeit Onkel Cyprian's, nachdem dieſer ſie noch jüngſt gegen Gattin und Sohn ſo entſchieden in Schutz ge⸗ nommen habe, mit den lebhafteſten Farben auszumalen. Dann erſt kam die Reihe an ihr eignes Unglück; ſie verwünſchte ihre Schwachheit, der leichtſinnigen Jugend dieſen Einfluß auf ihr Herz und ihre Handlungen ein⸗ geräumt zu haben, ſprach von dem großen Fond ihrer


