Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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feingefältelten Buſenſtreif unter der buntgeblümten Schvoßweſte von Seide.

Auch der Ausdruck von Gram und Kümmerniß in ſeinen Zügen war nicht der, in welchem ſich ſonſt die Sorge um irdiſchen Bedarf, um des Daſeins rauhe unabweisbare Nothwendigkeit im Menſchenantlitz wie⸗ derzuſpiegeln pflegt. Die Trauer, die ihren Schatten auf ſeine Stirne lagerte, der ſchmerzliche Krampf, der zuweilen um die ſchmalen feſtgeſchloſſenen Lippen zuckte, während er unverwandten Blickes über das Ge⸗ länder der Brücke hinweg das in leiſem Wellenſchlag unter ihm hinfluthende Waſſer betrachtete, ſie gehörten gewiß tieferen Leiden der Seele, ſchwereren Sorgen des Herzens an, als die ſind, welche das Leben der Armuth und Verlaſſenheit bedrängen und die bald frommes Gottvertrauen, bald hülfreiche Menſchen⸗ liebe, zumeiſt aber doch des Duldens lange Gewohn⸗ heit dem Unglücklichen weniger fühlbar machen.

Aber das, was den alten Mann im ſchlichten Bür⸗ gerkleide bewegte und ſeinen Zügen dieſen Ausdruck einer ſchmerzlichen Reſignation verlieh, war gewiß kein gewöhnliches Menſchenlvos, ſo wenig als die Kraft des Charakters und die Energie des Geiſtes eine ge⸗ wöhnliche waren, die ihn vielleicht ſchon Jahrelang