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Gefangen und befreit : vaterländisches Gemälde aus den Jahren 1806-1814 / von Julius Mühlfeld
Entstehung
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mit ſeinen kampfgeübten Heeren bald hier, bald dort war, und der es nur zu verſtehen ſchien, zu ſiegen, nicht aber zu unterliegen. Durch die unſelige Politik der Herren von Haugwitz und Lombard war Preußen noch immer neutral geblieben und hatte die Niederlage deutſcher Brüder mit⸗ angeſehen, theilnahmlos Deutſchland untergehen laſſen in Schmach und Schande.

Die deutſche National⸗Einheit war verloren gegan⸗ gen; Deutſchland, einig ein unbeſiegbares Reich, ward, uneinig, von Napoleon einzeln unterjocht, und jetzt ſtand nur noch Preußen als eine gefahrdrohende Größe da, aber Dank der Politik des Herrn von Haugwitz, es ſtand allein. Oeſterreich war zu ſchwach und hatte auch nicht

Luſt, nun ſich mit Preußen zu verbinden, deſſen Charak⸗

ter es nicht vertraute, und der Rheinbund war bereit, für Napoleon in die Schranken zu treten und Preußen zu bekämpfen, Deutſchland gegen Deutſchland. Friedrich Wilhelm III. von Preußen ſah das Alles, wußte nur zu gut, wie gefahrbringend unter ſolchen Umſtänden ein Krieg für ſein Reich werden konnte, und er that redlich Alles, um den Frieden zu erhalten.

Deutſchland, einig ein unbeſiegbares Reich, lag un⸗ einig zitternd zu den Füßen Napoleon's, und die Geſchichte beweiſt, wie Dieſer deutſche Uneinigkeit zu benutzen ver⸗ ſtand. Preußen allein konnte ihm jetzt noch ſchaden, alſ