17
then waren. Sir Kenneth konnte in einer Entfernung von ungefaͤhr einer halben Stunde einen dunkeln Ge⸗ genſtand erblicken, der ſich raſch vorwaͤrts bewegte. Sein geuͤbtes Auge erkannte in ihm eine Abtheilung Reiterei, die ihnen an Zahl weit uͤberlegen war, und nach den ſtarken und haͤufigen Blitzen, welche die Strahlen der aufgehenden Sonne zuruͤckwarfen, lag es am Tage, daß es Europaͤer in ihrer voͤlligen Ruͤſtung waren.
Die aͤngſtlichen Blicke, welche die Reiter des El Hakim jetzt auf ihren Fuͤhrer warfen, ſchienen tiefe Beſorgniß anzudeuten; er aber ſchickte mit unwandel⸗ barem Ernſte zwei ſeiner beſt berittenen Reiter mit der Weiſung ab, ſich dieſen Wanderern der Wuͤſte ſo weit zu naͤhern, als es die Klugheit erlaube, und ihre Zahl, ihren Charakter und, wo moͤglich, ihren Vorſatz genau zu erforſchen. Die Annaͤherung der Gefahr, oder was man als ſolche fuͤrchtete, wirkte wie ein belebender Trank auf einen Betaͤubten, und brachte Sir Kenneth wieder zu ſich ſelbſt, und zum Bewußtſeyn ſeiner Lage.
„Was fuͤrchtet ihr von dieſen chriſtlichen Reitern; denn folche ſcheinen es doch wohl zu ſeyn?“ ſagte er zu Hakim.
„Fuͤrchten!“ ſagte El Hakim, unmuthig das Wort wiederholend—„der Weiſe fuͤrchtet nichts, als den Himmel, allein er erwartet ſtets von ſchlechten Menſchen das Schlimmſte, was ſie thun koͤnnen.“
W. Seott's Werke. IX. 2


