Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 2. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Hand in Hand mit dieſen religiöſen Verfolgungen ging die Knebelung der Preſſe. Die Geiſter, die der König durch das Zauberwort der Freiheit heraufbe⸗ ſchworen, die ihn populär machen, ſeinen Herrſcherglanz hatten erhöhen ſollten, ließen ſich von ihm nicht wieder bannen, als ſie ihm läſtig geworden. Die Fluthen aufregender Ideen, welche die Preſſe verbreitete, ver⸗ anlaßten den Sturz Rochows, an ſeiner Stelle ward der Graf von Arnim ernannt, Herr von Kamptz durch Savigny erſetzt, der Pietiſt Stollberg trat an die Stelle Ladenbergs, Uhden, ein anderer Pietiſt, er⸗ hielt die Juſtiz. Graf Arnim ſollte den Drachen des Liberalismus tödten, er unternahm den Kreuzzug gegen die Preſſe, entſetzte Hoffmann von Fallersleben ſeines Amtes, man erfand ein beſonderes Einſchüchterungsſyſtem für Journaliſten, unterdrückte die Blätter der Oppo⸗ ſition, aber die Polizei ſetzte nichts durch, da es an⸗ dererſeits wieder dem Könige widerſtrebte, Alles zurück⸗ zunehmen, was er gegeben. Die Späher der Polizei überwachten ſelbſt Privatgeſpräche, aber die geiſtige Bewegung ließ ſich nicht, am wenigſten in Oſtpreußen unterdrücken. Die Satyre ward immer ſchärfer und bemächtigte ſich der Waffe des Witzes und der Cari⸗ catur. Der König ſelbſt liebte Witz und Satyre, er hatte es in England geſehen, daß die höchſtgeſtellteſten