Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

himmliſche Geſetz von der Liebe Gottes. Indem wir jetzt in dieſer ſeierlichen Stunde der Heimgegan⸗ genen gedenken, wollen wir vor Allem dasjenigen ge⸗ denken, der um ſeines Glaubens und ſeiner Treue willen gelitten hat, was ein Menſch nur hiernieden leiden kann an Schmerz und Qual, an Enttäuſchung, Verrath und Treuloſigkeit. Die ganze Menſchheit mit allen ihren Leiden, ihren Freuden, ihrer Begeiſterung und ihrem Todesmuth iſt incarnirt in der Geſtalt deſſen, den wir Jeſus Chriſtus nennen. Geiſtiges und körperliches Leid hat er getragen, wie es die ganze Menſchheit von Anbeginn an erlitten hat. Ab⸗ gefallen von ihm ſind ſeine Freunde und haben ihn verrathen um ſchnöden Geldes willen; irre geworden ſind ſelbſt die Beſten an ihm, weil ſie ihn nicht ver⸗ ſtanden, und überliefert haben ihn die Feigen und die Böſen der tyranniſchen Gewalt, die auf Erden herrſcht. Das Volk hat ihn verhöhnt, nachdem es ihm entgegen⸗ gejubelt; verläſtert haben ihn heute diejenigen, welche er geſtern geſegnet. Aber die Liebe hat ihn hinweg⸗ elragen über alles Leid, und größer und erhabener iſt uns darum die Geſtalt des menſchlichen Chriſtus, weil er in Liebe den Haß überwunden, als uns der göttliche ſein würde, der nichts zu überwinden hatte und der als eine Offenbarung über alles irdiſche Leid