Jahrgang 
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Kopf trug er hochaufgerichtet, aber ſeine Mienen ſchienen noch immer voller Schmerz und Unruhe.

In meinen alten Tagen ſoll ich dieſe Laſt auf mich nehmen! rief er aus. Mit welchem Unglück ſucht mich Gott heim. Laßt ab! ich zittere und bebe davor.

Gnädigſter Herr! ſagte Adlercreutz, das Vaterland verlangt von Ihnen dies Opfer.

Ich bin zu alt, zu ſchwach! antwortete der Herzog ſeufzend, wie ſoll ich das Ruder in dieſen Stürmen halten.

Der Himmel wird Ihnen Beiſtand verleihen, und die Gebete des ſchwediſchen Volks werden dieſen erflehen! fiel der Staatsſecretär Lagerbring mit frommer Salbung ein.

Reichsdroſt Graf Wachtmeiſter! rief Karl, an Sie wende ich mich in meiner großen Noth. Sie ſind der erſte Mann in Schweden nach dem König, der höchſte Beamte des Reichs ſagen Sie mir, was ich thun muß.

Der alte Reichsdroſt hatte ſich in ſeinem Bett ins Schloß tragen laſſen und wohnte in Betten und Decken gehüllt dieſer Verſammlung bei. Gott ſei es geklagt, daß es dahin gekommen iſt! ſagte er, allein wenn Ew. königliche Hoheit nicht an die Spitze der Regierung treten, ſo iſt Schweden verloren. Ich beſchwöre Sie im Namen des Vater⸗ landes und Aller, die es gut mit ihm meinen, weigern Sie ſich nicht länger, die Regierung zu übernehmen.

Der Herzog ſtand einige Augenblicke ſtumm, ein feierliches Schwei⸗ gen herrſchte. Nun denn, begann er, wenn es das Vaterland und ſein Heil unerbittlich und unabweisbar von mir fordern, ſo unterwerfe ich mich. Da Se. Majeſtät durch Krankheit und eingetretene Umſtände außer Stande iſt, länger zu regieren, will ich dies thun und als Reichsverweſer ſo lange die Geſchäfte leiten, bis die Reichsſtände be⸗ ſtimmen, was weiter geſchehen ſoll.

Gott ſegne Ew. königliche Hoheit! riefen viele Stimmen, andere ſagten mehr oder weniger laut: Victoria! einige aber auch: Es lebe König Karl der Dreizehnte! Karl ſelbſt ſchien ſich höher aufzurichten. Ein Lächeln ſchwebte um ſeine Lippen, als er nach allen Seiten hin dankte. Er wandte ſich raſch und feſt; ſein Geſicht erhielt lebhaftere Farbe.