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ein Unglücklicher, dem wir Beiſtand leiſten, mehr iſt uns nicht zu wiſſen nöthig.
Daß uns am heiligen Weihnachtsabend ſolch Unheil begegnen muß, jammerte die alte Magd. Wir haben einen Todten im Hauſe.
Ein Weihnachtsgeſchenk von Gott! erwiederte der Greis dankbar lächelnd. Hat er nicht meinen lieben alten Weihnachtsbaum geſehen? Hat ſein Licht ihm nicht geleuchtet? O! mein Herr, du Gewaltiger! ſo lohnſt du mir!— Eile, gute Karin, eile ſo ſehr du kannſt. Lege mehr Holz auf dein Feuer, wir müſſen wärmende Kräuterumſchläge machen, damit kein Froſt in ihm bleibt. Dieſer Jüngling wird zum neuen Leben erwachen, deß ſei gewiß. Ich will ihm jetzt von den ſtär⸗ kenden Tropfen reichen, die wir aus dem Wachholder ziehen. Gehe, Karin, hole auch meinen neuen Pelz, daß wir ihm Alles geben, was wir haben.
Nach mehreren Stunden fruchteten die Bemühungen des guten Pfarrers, denn nachdem er alle ſeine Mittel angewandt und nicht aufgehört hatte, mit vorſichtiger Geduld dem Kranken beizuſtehen, wurde deſſen Körper warm und gerieth nach und nach in einen Schweiß, den Jönsſon ſo viel er vermochte unterſtützte. Alle ſeine Decken und Pelze verwandte er dazu und ſeine Gaben an Thee und Tropfen, welche er Otho einzuflößen wußte, halfen nicht wenig dabei mit. Während der ganzen Nacht ſaß der greiſe Mann an dem Bett ſeines Schützlings und mit ſüßer Freude beobachtete er deſſen Athem⸗ züge, welche immer länger und kräftiger wurden, bis die Röthe des Lebens ihm auf Stirn und Wangen auftauchte. Er legte ſeine Hand auf die Fülle des blonden Haares und blickte ihn voll mitleidsvoller Liebe an. Ach! ſagte er ſanftmüthig, wie herrlich biſt du anzuſchauen, mein armes Kind, und wie würden die dich lieben um dich trauern, wenn du in der fürchterlichen Tiefe zermalmt lägeſt? Hatte ich nicht auch einen Sohn und er war ſchön und jung und ſtark wie duz dennoch riß ihn die finſtere Hand von meinem Herzen und troſtlos, ach! geſchlagen von Schmerzen, ſaß ich hier an ſeinem Lager. Du aber wirſt erwachen, mein Kind, und deine Mutter wird nicht um dich weinen. Du wirſt zu ihr zurückehren, und wirſt ihre Liebe vergelten. Es liegt etwas in deinem Geſicht, das zu mir ſpricht, als ſeiſt du mir hekannt und Gottes Güte in dir.
und
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