Jahrgang 
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auf welchem eine dunkele Maſſe lag, die ihm ein Menſch zu ſein ſchien. In ſeiner Angſt und ſeiner Liebe ſchleuderte er Karin's Hände, welche ſich an ihn feſtklammerten, mit Gewalt von ſich, drückte ihr die Leuchte in die Finger und kroch hinter den Pfählen hinab bis an den Fels, wo in demſelben Augenblick die Scholle über eine andere ſchon dort abgela⸗ gerte hinſtürzte. Waſſer, Schaum und Schlamm rollten darüber fort und würden den ſchwarzen Körper mit ſich fortgewaſchen haben, wenn der Pfarrer ihn nicht feſtgehalten und zu ſich hingezogen hätte. Ja, es war ein Gottesgeſchöpf, es war ein Gebild von Fleiſch und Bein, aber ohne Gefühl, ohne Bewegung, vom eiſigen Waſſer ſchon erſtarrt, und er hielt es zitternd an ſich gedrückt, während neue Trümmer, Schollen und Waſſerſtröme über die Stelle ſtürzten, wo er es gefunden hatte.

Was ſollte er beginnen mit dem Leichnam des Unglücklichen? Ein Schauder durchlief ihn, eine entſetzliche Angſt füllte ſein Herz: Karina hielt die Laterne hinunter. Jeſus, Gottes Sohn! ſchrie ſie, als ſie die Geſtalt erblickte, die ihr Herr mit Aufbietung aller Kraft aufzuheben ſuchte. Laßt ihn liegen, er iſt todt, längſt todt! Unglück bringt es, Einen anzufaſſen, deſſen Seele die Hexen haben.

Hilf mir, ſagte der Greis unerſchrocken, er lebt noch. Ich habe ihn ſeinen Arm aufheben, ſeinen Kopf zucken ſehen. Faß an ſeine Schultern, ſeine Glieder ſind noch geſchmeidig. Und ohne abzuwarten, ob die alte Magd ihm beiſtehen würde, ſuchte er den Körper an dem Pfahlwerk emporzurichten, wo Karin, die ihre Laterne niedergeſetzt hatte, ihn ergriff und glücklich feſthielt.

Aber ſei es, daß dieſe heftige Bewegung den Reſt des Leben in dem Verunglückten zu einer letzten Anſtrengung brachte, oder der ohnmächtige Zuſtand dadurch von ihm wich, daß der gute Pfarrer ſogleich ſeinen Pelzmantel über ihn warf; er ſchien zu erwachen als dies geſchah und ſtand auf ſeinen Füßen, wobei er nach der Laterne griff, die Karina an einen der Pfähle gehängt hatte. Da iſt das Licht! rief er mit gebrochener dumpfer Stimme. Holla! Per! Einige andere unverſtändliche Worte folgten, zugleich machte er eine Bewegung als wolle er ſeine Füße gebrauchen.

EScttütze ihn, Karin! rief der Greis. Komm, armes Kind, komm! Gottes Gnade hat dich und mich geführt. Hier ſind die Stufen. Nimm