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daß, wo Eisberge gedeihen, keine Citronen wachſen und wenn ſie auch noch nicht ſo allgemein leſen und ſchreiben konnten, wie jetzt, ließen ſie ſich doch kein x für ein u machen.
Viel eher iſt es möglich, daß die Normannen anfäng⸗ lich im Gegenſatz zu den ewigen Gletſchermaſſen im Innern des Landes den ſüdlichen und weſtlichen Küſtenſtrich nur „Grünland“ nannten, weil dort im Sommer beſonders in den von kahlen Inſeln gegen die rauhen Stürme geſchützten Meerbuchten oder Fyords die Sonne ein ſpär⸗ liches Grün hervorzubringen pflegt. Später nannte man das ganze Land ſo, wie zuerſt blos die Küſte geheißen hatte. Wie geſagt, iſt es nur möglich, daß es ſo iſt. Behaupten kann es Niemand.
Doch genug hiervon! Wir wollen endlich zu unſerer Erzählung kommen.
Dieſelbe beginnt in einer jener grünen Meerbuchten oder Fyords.
Es iſt Juni, alſo die Zeit, wo Stürme und der Sonne Gluth, die jetzt Wochen lang nicht mehr untergeht, die erſchrecklichen Eis⸗ und Schneemaſſen des Winters in Be⸗ wegung geſetzt haben.
Auf dem Meere herrſcht ein wildes Drängen und Wogen. Die unendliche Eisdecke des ellendick zugefrorenen Oceans folgt donnernd, knirſchend und dröhnend den ein⸗ zelnen Meerſtrömungen theils an den Felſen und Klippen Grönlands zerſchellend, theils weit hinaustreibend in die


