Ie. Meine Leſerinnen muͤſſen nun ſchon lange wiſſen, daß ich die Maͤdchen immer gerne auffuͤhre, wie ſie ſind, und daß ich mich auf die Ausnahmen nicht einlaſſe. Ich wuͤrde auch kaum ein Wort uͤber Malchen verloren haben, wenn ich nicht ſagen koͤnnte, daß ſie bei der Gelegenheit eine recht allerliebſt natuͤrliche Ausrede auf der Zunge hatte, und daß ſie nur deshalb nicht vollends das
mit herauskam, weil Malchen ſelber noch viel⸗
ſchlauer war als ihre Ausrede. Sie las es naͤm⸗ lich auf dem Geſichte der Tante, daß ſie etwas Beſtimmtes von ihrer Abweſenheit erfahren hatte, und daß ſie daher erſt horchen muͤßte, wo es hinaus wollte, weil ſie ja ſonſt anſtatt ſich
auszureden, ſich noch viel tiefer hineinres
den konnte.
Malchen hoffte mit ihren Thraͤnen etwas aus⸗ zurichten; und das war nicht uͤbel berechuet: denn jedweder andre Menſch haͤtte in den klaren Tropfen, die an ihren langen Wimpern glaͤnzten, ſeinen Zorn ein wenig abkuͤhlen muͤſſen. Aber die Tante— nein, die blieb hart wie zuvor, und fragte immerfort.
Wo werde ich denn geweſen ſeyn? weinte das arme Malchen endlich. An einem unanſtaͤndigen Orte doch gewiß nicht.


