Druckschrift 
Auswahl von Hebel's allemannischen Gedichten
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Im Jahre 4791 erhielt Hebel einen Ruf als Lehrer des Gymnaſius zu Karlsruhe und zugleich die Stelle eines Subdiakons an dor⸗ tiger Hofkirche. Er predigte mit Beifall, und fand ſich in ſeinen neuen Verhaͤltniſſen bald zufrieden und glücklich. Beſonders fühlte er ſich durch ſein nun ausgebildetes Wirken als Lehrer gehoben, und er ſtand dieſem Theile ſeines Berufs mit einer ſeltenen An⸗ ſtrengung vor. Sie blieb nicht unbemerkt und unbelohnt. Schon 1798 ward Hebel zum Profeſſor und Oberlehrer befördert. Um dieſe Zeit war der größte Theil ſeiner allemanni⸗ ſchen Weiſen bereits theils einzeln, theils ge⸗ ſammelt gedruckt, und gehörte dem Volke an. Aber die Wachter des deutſchen Parnaſſes kannten noch nicht ſeinen Ramen, bis endlich Jean Paul(in einem Schreiben an den Her⸗ ausgeber der damals in großer Ehre ſtehenden Zeitung für die elegante Welt) ziemlich derb mit der Naſe darauf ſtieß. Jean Paul, der Hebels ganze Dichtergröße auf den erſten Blick durchſchaute, ſtellte ihn unmittelbar neben Herder. Er ſagte von ihm, eben ſo ſchön als treffend:Das Abendroth einer ſchönen, friedlichen Seele liegt auf allen Höhen, die er vor uns ſich hinziehen läßt, poetiſche Blu⸗ men erſetzt er durch die Poeſie. Das ſchwei⸗ zer Alpenhorn der jugendlichen Sehnſucht und Freude hat er im Munde, indeß er mit der