Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

79

Liebchen, o hoͤrſt du mich nicht? Umſonſt, ſchon liegſt du entſchlummert, Und ein gaukelnder Traum kuͤſſet dir fried⸗ lich die Stirn. O der gluͤckliche Traum! Er darf dich ſicher umflattern, Und die entfeſſelte Bruſt goͤnnt ihm das luͤ⸗ ſterne Spiel; Dankbar ſchenkt er dafuͤr dir die zarteſten ſei⸗ ner Gebilde. Ich auch, wenn mir ein Gott laͤchelte, nah⸗ te dir jetzt. Schmeichelnd ſprichſt du es aus, was ſo oft auf der Wange die Schaam mir Kuͤndete, was in der Bruſt ſchuͤchtern die Schaam mir verſchwieg. Aber entflieh, zu reizender Wahn! ſchweig, taͤuſchende Hoffnung! Zeigte ſie geſtern nicht noch, daß ſie mich nimmer geliebt? Leiſe betrat und leicht ſie des Gartens falbe Gebuͤſche, Nahete ſtill, und es ſchlug laut mir im Bu⸗ ſen das Herz; Ach, da ſtahl ſich ein Andrer hinzu, und, we⸗ he, ſie gruͤßt' ihn Freundlich und ſchmiegte ſich ſchnell an den gebotenen Arm. Einig wallten ſie nun, verſenkt in leiſes Ge⸗ fluͤſter;