Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

178

Jahre; im Alter, wo man die Kinder ins College ſchickt, war ich Herr eines Vermögens von mehr als einer Million Renten; aber ich war allein in dieſer Welt, ohne irgend Jemand, den ich liebte, ohne Je⸗ mand, der mich liebte; die ſüßen Freuden der Fa⸗ milie ſind mir durchaus unbekannt. Vom zwölften bis zum achtzehnten Jahre ſtudirte ich auf der Uni⸗ verſität zu Cambridge; mein ſchweigſamer, vielleicht etwas hochmüthiger Charakter iſolirte mich unter meinen jungen Kameraden. Mit achtzehn Jahren reiste ich. Durchwandern Sie als wohlausgerüſteter Reiſender die Welt unter dem Schutze Ihrer Fahne, das heißt unter dem Schutze des Vaterlandes, haben Sie alle Tage die Aufregungen des Kampfes und den Stolz des Sieges, ſo glauben Sie nicht, welch' traurige Sache es iſt, die Städte, die Provin⸗ zen, die Staaten, die Königreiche zu durchziehen, um ganz einfach eine Kirche hier, ein Schloß dört zu be⸗ ſuchen; das Bett um vier Uhr Morgens auf den unerbittlichen Ruf des Führers zu verlaſſen, um von dem Gipfel des Rigi oder des Aetna den Sonnen⸗ aufgang zu ſehen; wie ein bereits todtes Phantom unter dieſen lebendigen Schatten umher zu wandern, welche man Menſchen nennt; nicht zu wiſſen, wo bleiben; keinen Boden zu haben, wo man Wurzel faſſen, keinen Arm, auf den man ſich ſtützen, kein Herz, in das man das ſeine ausſtrömen könnte! Nun, geſtern Abend, mein lieber Roland, plötzlich, in einem Augenblick, in einer Secunde hatte ſich dieſe Leere meines Lebens ausgefüllt; ich lebte in Ihnen; die Freuden, die ich ſuchte, ſah ich Sie genießen; dieſe Familie, die ich nicht kenne, ſah ich blühend ſich um