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Dies dauerte fünf Minuten, während welcher Roland, nach jedem Läuten, ſich nach dem Wagen umwandte und ſagte:
5„Werden Sie nicht ungeduldig, Sir John.“ Endlich öffnete ſich ein Fenſter und eine kindliche, aber feſte Stimme rief:
„Wer läutet ſo heftig?“ 3
„Ach, biſt Du es, kleiner Edouard,“ ſagte Roland, „öffne raſch.“
Der Knabe warf ſich mit einem Freudenſchrei zu⸗ rück und verſchwand. Aber zu gleicher Zeit hörte man ſeine Stimme, welche in den Corridors rief:
„Mutter, wache auf, es iſt Roland; Schweſter, wache auf, es iſt der große Bruder.“
Dann ſtürzte er im bloßen Hemde und ſeinen kleinen Pantoffeln die Treppe herab und rief:
„Gedulde Dich, Roland, ich bin da, ich bin da.“
Einen Augenblick ſpäter hörte man den Schlüſſel in dem Schloſſe knirſchen, die Riegel ſich in den Zapfen bewegen, dann erſchien eine weiße Geſtalt auf dem Perron und flog mehr, als ſie lief, nach dem Gitter, das einen Augenblick ſpäter ſich gleich⸗ falls in den Angeln bewegte und öffnete.
Der Knabe ſprang Roland an den Hals und blieb daran hängen.
„Ach, Bruder! ach Bruder!“ rief er, indem er den jungen Mann umarmte und zu gleicher Zeit lachte und weinte;„ach, großer Bruder Roland, was wird ſich die Mutter freuen und Amelie gar: Alles iſt wohl; ich bin der krankſte; ach! mit Ausnahme 4 des Michel, Du weißt, des Gärtners, der ſich ver⸗ renkt hat. Warum biſt Du nicht als Soldat geklei⸗
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