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„Du weißt, Pataut, man behauptet, die Straßen ſeien nicht ſicher.“
„Ach! ich glaub es wohl, daß ſie nicht ſicher ſind; wir ſchwimmen in lauter Räuberei, Herr Charles; hat man nicht erſt in der letzten Woche die Diligence von Genf nach Bourg angefallen und aus⸗ geplündert!“
„Bah!“ machte Morgan,„und wen klagt man dieſes Diebſtahls an?“
„O es iſt ein Spaß; denken Sie ſich, ſie ſagen, es ſeien die Genoſſen Jeſu. Ich habe kein Wort davon geglaubt, wie Sie ſich wohl denken können; wer ſind denn die Genoſſen Jeſu, als die zwölf Apoſtel?“
„Allerdings,“ ſagte Morgan mit ſeinem ewigen und heitern Lächeln,„ich kenne keine andern.“
„Gut,“ fuhr Pataut fort,„es fehlte nichts mehr,
als daß man auch noch die zwölf Apoſtel beſchuldigt, ſie plündern die Diligencen! O, ich ſage Ihnen, Herr Charles, wir leben in einer Zeit, wo man nichts mehr reſpectirt.“
Und indem er den Kopf mit miſantropiſchem Un⸗ willen wenn nicht über das Leben, ſo doch über die Menſchen ſchüttelte, führte Pataut das Pferd in den Stall. Morgan ſah einige Augenblicke zu, wie ſich Pa⸗ taut in den Hof vertiefte und dann in der Dunkel⸗ heit des Stalles verſchwand; darauf ging er an der Hecke hin, welche den Garten umzäunte, ſtieg gegen ein großes dichtes Gehölz hinab, deſſen Wipfelſich in der Nacht mit der Majeſtät unbeweglicher Dinge erhoben und abzeichneten, indem ſie eine reizende kleine Land⸗


