Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Eine Einzelheit gab dieſer Phyſiognomie oder vielmehr mußte ihr in gewiſſen Momenten den Cha⸗ rakter ſeltener Feſtigkeit verleihen: dies waren eben⸗ holzſchwarze Wimpern, Augen und Brauen unter ſchönen blonden Haaren, welche nach damaliger Mode über die Stirne und an den Schläfen herabhingen.

Das übrige Geſicht war wie geſagt beinahe weiblich.

Es beſtand aus zwei kleinen Ohren, von denen man nur das Läppchen unter jenem Haarbüſchel an den Schläfen ſah, welchem die Stutzer jener Zeit den Namen Hundsohren gegeben hatten; aus einer ge⸗ raden und vollkommen proportionirten Naſe, aus einem etwas großen, aber roſigen und immer lächeln⸗ den Munde, der beim Lächeln eine doppelte Reihe bewundernswerther Zähne blicken ließ, aus einem fei⸗ nen und zarten, leicht blau angeflogenen Kinne, das durch dieſe Färbung andeutete, daß wenn der Bart nicht ſo ſorgfältig und neuerdings abgenommen wor⸗ den wäre, es im Gegenſatz zu der goldenen Farbe der Haare denſelben Ton wie die Wimpern, die Brauen und die Augen haben würde.

Den Wuchs des Unbekannten hatte man in dem Augenblicke würdigen können, wo er in den Saal der Täble d'Höte getreten: er war groß, edel, ge⸗ ſchmeidig und bekundete, wenn auch nicht gerade eine große Muskelkraft, ſo doch eine große Leichtig⸗ keit und Beweglichkeit.

Die Art, wie er zu Pferde ſaß, ließ deutlich den vollkommenen Reiter erkennen.

Nachdem er ſeinen Mantel wieder umgeworfen, die Maske in den Holftern verborgen, ſeinen Hut