Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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zu treten, ſein Pferd vor der Thüre angebunden, und als wenn ſein Thier in der päpſtlichen und royaliſtiſchen Stadt dieſelbe Strafloſigkeit genöſſe, wie ſein Herr, hatte er es wieder am Stalle gefun⸗ den, losgebunden, war darauf geſprungen, durch das Oullethor hinausgeritten, längs der Mauer in großem Galopp hingeſprengt und auf dem Wege nach Lyon verſchwunden.

Eine Viertelſtunde von Avignon jedoch hatte er ſeinen Mantel um ſich her zuſammengezogen, um den Vorübergehenden den Anblick ſeiner Waffen zu ent⸗ ziehen, und indem er ſeine Maske abnahm, dieſe in eines ſeiner Holfter geſteckt.

Die, welche er in Avignon lebhaft mit dem Ge⸗ danken beſchäftigt, wer dieſer furchtbare Morgan, der Schrecken des Süden, wohl ſein möchte, zurückge⸗ laſſen, hätten jetzt, wenn ſie ſich auf dem Wege von Avignon nach Bedarrides befunden, ſich mit eigenen Augen verſichern können, ob der Anblick des Ban⸗ diten ſo furchtbar, als ſein Renommé ſei.

Wir ſcheuen uns nicht zu behaupten, daß die Züge, die ſich jetzt ihren Blicken dargeboten hätten, ſo wenig mit der Idee im Einklang ſtanden, welche ihre befangene Phantaſie ſich machte, daß ihr Er⸗ ſtaunen ganz außerordentlich geweſen wäre.

In der That ließ die von einer vollendet weißen und zarten Hand abgenommene Maske das Geſicht eines jungen Mannes von kaum vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Jahren ſehen, ein Geſicht, das durch die Regelmäßigkeit der Züge und die Weichheit der Phyſiognomie einem weiblichen Geſichte den Rang hätte ſtreitig machen können.