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Bonaparte ſuchte Valence auf und erklärte ihm mit ernſtem Tone, in welchem Auftrage er komme.
Valence war ein ziemlich großer Junge von ſie⸗ benzehn Jahren, und hatte bereits, wie es bei ge⸗ wiſſen frühreifen Naturen vorkommt, Backen⸗ und Schnurrbart: er ſah dadurch wie ein Menſch von zwanzig Jahren aus.
Er war außerdem einen Kopf größer, als der, den er beleidigt hatte.
Valence antwortete, Louis habe ihn auf dieſelbe Weiſe am Zopf gezogen, wie man an einer Glocken⸗ ſchnur ziehe— man trug zu jener Zeit Zöpfe— er habe ihn zweimal gewarnt, es nicht wieder zu thun, aber Louis ſei zum dritten Male gekommen, und da er deßhalb in ihm nur einen Gaſſenbuben geſehen, habe er ihn wie einen Gaſſenbuben be⸗ „ handelt. 2
Man brachte Valencens Antwort Louis, der da⸗ gegen einwandte, einen Kameraden am Zopf zu ziehen ſei nur ein Scherz, während eine Ohrfeige zu geben eine Beleidigung ſei.
Die Halsſtarrigkeit verlieh dem Knaben von drei⸗ zehn Jahren die Logik eines Mannes von dreißig.
Der moderne Popilius kehrte zurück, um Va⸗ lence den Krieg zu erklären.
Der junge Mann war in großer Verlegenheit: er konnte, ohne ſich lächerlich zu machen, ſich nicht mit einem Knaben ſchlagen: ſchlug er ſich und ver⸗ wundete ihn, ſo war das häßlich; wurde er ſelbſt verwundet, ſo konnte er ſich ſein ganzes Leben nicht mehr darüber tröſten.
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