Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

90

Beide, der Eine zur Rechten, der Andere zur Linken, ſandten einen Blick zum hellen Horizonte auf.

Der Anblick ſtand im Einklang mit der furcht⸗ baren Feierlichkeit der Scene, welche nun begann.

Nichts war zu ſehen zur Rechten von Roland, nichts zur Linken von Herrn von Barjols: nur der Berg, der ſich wie ein rieſenhaftes Dach ſchroff und jäh abſenkte.

Aber auf der entgegengeſetzten Seite, das heißt zur Linken Rolands und zur Rechten des Herrn von Barjols hatte Alles ein anderes Ausſehen.

Der Horizont war endlos.

Auf der erſten Fläche, einem röthlichen Boden, gewahrte man überall Felsſpitzen, die aus der Erde hervorragten, und das Ganze wie einen Leichenhof von Titanen erſcheinen ließen, deren Gebeine aus dem Boden hervorſtanden.

Die zweite Fläche, die ſich kräftig von der unter⸗ gehenden Sonne abhob, bot den Anblick von Avignon mit ſeinem Mauergürtel und ſeinem rieſigen Palaſte, der wie ein ſitzender Löwe die keuchende Stadt unter ſeiner Kralle feſtzuhalten ſcheint.

Jenſeit von Avignon kündigte eine leuchtende Linie wie ein Strom geſchmolzenen Goldes die Rhone an.

Endlich erhob ſich auf der andern Seite der Rhone wie eine dunkelbläue Linie die Hügelkette, welche Avignon von Nimes und Uzes trennt.

Im Hintergrunde, ganz im Hintergrunde tauchte die Sonne, welche einer dieſer Männer wahrſchein⸗ lich zum letzten Male ſah, langſam und majeſtätiſch in einen Ocean von Gold und Purpur.