Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ihr wißt, Avignon iſt bereits Italien. Es braucht um jeden Preis Wunder und wenn Gott keine thut, ſo findet ſich ſicher Jemand, der welche erſinnt. Und dann muß das Wunder ein Wunder der heiligen Jungfrau ſein. Die heilige Jungfrau iſt alles für Italien, dieſes poetiſche Land. La Madonna! Der ganze Geiſt, das ganze Herz, die ganze Sprache der Italiener iſt voll von dieſen zwei Worten.

In der Egliſe des Cordeliers geſchah dies Wunder.

Die Maſſe ſtrömte hinzu.

Es war viel, daß die Jungfrau weinte, aber es verbreitete ſich zu gleicher Zeit ein Gerücht, das die Maſſe in Aufregung verſetzte: eine große Kiſte war durch die Stadt geführt worden: dieſe Kiſte hatte die Neugierde der Bewohner von Avignon rege gemacht. Was konnte ſie enthalten?

Zwei Stunden ſpäter war es nicht mehr eine Kiſte, von der man ſprach: ſondern achtzehn Kiſten, die man nach der Rhone hatte bringen ſehen.

Was für Effecten ſie enthielten, hatte ein Laſt⸗ träger verrathen: es waren die Effecten des Leih⸗ hauſes, welche die franzöſiſche Partei mit ſich nahm, indem ſie ſich von Avignon verbannte.

Die Effecten des Leihhauſes, das heißt die ab⸗ gelegten. Kleider der Armen.

Je ärmer eine Stadt iſt, deſto reicher iſt das Leihhaus. Wenige Leihhäuſer konnten ſich rühmen, ſo reich zu ſein, als das von Avignon.

Es war nicht mehr eine Anſichtsſache, ſondern ein Diebſtahl und zwar ein infamer Diebſtahl. Weiße und Rothe liefen nach der Egliſe des Cordeliers und