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erſten Male ein ſchöner Baum die wunderherrlich⸗ ſten Blüthen in ſein Leben hinein, und der ſolle recht an der Wurzel zerſägt werden, damit er nie mehr zu grünen und zu blühen vermöge. Sein Entſchluß war gefaßt. Er ſagte Antonien Alles, et ſtellte ihr die Wahl, ob ſie dem Bräutigam folgen und ſeiner und der Welt Verlockung nach⸗ geben, ſo aber früh untergehen, oder ob ſie dem Bater noch in ſeinen alten Tagen nie gefühlte Ruhe und Freude bereiten, ſo aber noch Jahre lang leben wolle. Antonie ſiel dem Vater ſchluchzend in die Arme, er wollte, das Zerreißende der kom⸗ menden Momente wohl fühlend, nichts deutlicheres vernehmen. Er ſprach mit dem Bräntigam, aber unerachtet dieſer verſicherte, daß nie ein Ton über Antonien's Lippen gehen ſolle, ſo wußte der Rath doch wohl, daß ſelbſt B... nicht der Verſuchung würde widerſtehen können, Antonien ſingen zu hö⸗ ren, wenigſtens von ihm ſelbſt componirte Arien. Auch die Welt, das muſikaliſche Publikum, mocht' es auch unterrichtet ſeyn von Antoniens Leiden, gab gewiß die Anſprüche nicht auf, denn dies Volk iſt ja, kommt es auf Genuß an, egoiſtiſch und grau⸗ ſam. Der Rath verſchwand mit Antonien aus F** und kam nach H—. Verzweiflungsvoll vernahm B... die Abreiſe. Er verfolgte die Spur, holte den Rath ein, und kam zugleich mit ihm nach H—. —„‚Nur einmal ihn ſehen und dann ſterben,“ flehte


