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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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36 Fran, und Antonie ſeine Tochter ſey; er möge da⸗ her eilen, ſich der Verlaſſenen anzunehmen. So

ſehr auch der Rath von Angela's Hinſcheiden er⸗

ſchüttert wurde, war es ihm doch bald, als ſey ein ſtörendes unheimliches Princip aus ſeinem Leben

gewichen, und er könne nun erſt recht frei athmen.

Noch denſelben Tag reiſte er ab nach F**. Herzzerreißend ſchilderte mir der Rath den Mo⸗ ment, als er Antonien ſah. Selbſt in der Bizar⸗ rerie ſeines Ausdrucks lag eine wunderbare Macht der Darſtellung, die auch nur anzudeuten ich gar nicht im Stande bin. Alle Liebenswürdigkeit, alle Anmuth Angela's wurde Antonien zu Theil, der aber die häßliche Kehrſeite ganz fehlte. Es gab kein zweideutig Pferdefüßchen, das hin und wieder hervorgucken konnte. Der junge Bräutigam fand ſich ein, Antonie mit zartem Sinn den wun⸗ derlichen Vater im tiefſten Innern richtig auffaſ⸗ ſend, ſang eine jener Motetten des alten Padre Martini, von denen ſie wußte, daß Angela ſie dem Rath in der höchſten Blüthe ihrer Liebeszeit unauf⸗ hörlich vorſingen müſſen. Der Rath vergoß Ströme von Thränen, nie hatte er ſelbſt Augela ſo ſingen hören. Der Klang von Antonien's Stimme war

ganz eigenthümlich, und, ſeltſam, oft dem Hauch

der Aolsharfe, oft dem Schmettern der Nachtigall gleichend. Die Töne ſchienen nicht Raum haben

zu können in der menſchlichen Bruſt. Autonie vor