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fragte des Profeſſors Nichte:„Was macht denn unſere Antonie, lieber Rath?“=— Krespel ſchnitt ein Geſicht, als wenn jemand in eine bittere Po⸗ meranze beißt, und dabei ausſehen will, als wenn er Süßes genoſſen; aber bald verzog ſich dies Ge⸗ ſicht zur graulichen Maske, aus der recht bitterer, grimmiger, ja wie es mir ſchien, recht teufliſcher Hohn herauslachte.„Unſere? Unſere liebe Anto⸗ nie?“ frug er mit gedehntem, unangenehm ſingen⸗ den Tone. Der Profeſſor kam ſchnell heran. In dem ſtrafenden Blick, den er der Nichte zuwarf, las ich, daß ſie eine Seite berührt hatte, die in Krespels Innerm widrig diſſoniren mußte.„Wie ſteht es mit den Violinen?“ frug der Profeſſor recht luſtig, indem er den Rath bei beiden Händen erfaßte. Da heiterte ſich Krespels Geſicht auf, und er erwiederte mit ſeiner ſtarken Stimme:„Vor⸗ trefflich, Profeſſor, erſt heute hab' ich die treffliche Geige von Amati, von der ich neulich erzählte, welch' ein Glücksfall ſie mir in die Hände geſpielt, erſt heute hab ich ſie aufgeſchnitten. Ich hoffe, Antonie wird das übrige ſorgfältig zerlegt haben.“ „Antonio iſt ein gutes Kind,“ ſprach der Profeſ⸗ ſor.„Ja wahrhaftig, das iſt ſie!“ ſchrie der Rath, indem er ſich ſchnell umwandte, und mit einem Griff Hut und Stock erfaſſend, ſchnell zur Thüre hinausſprang. Im Spiegel erblickte ich, daß ihm helle Thränen in den Augen ſtanden.


