Birkeneck war reich, unabhängig und hatte eben ſein vier und zwanzigſtes Jahr überſchritten.
Während er kaum den Becher des Lebens mit friſchen Lippen berührte, hatten die drei Freunde denſelben bis zum Grund geleert. Sie kannten Alles: die Welt, die Frauen, Bücher und Menſchen, Regierungen und Völker, die geheime Geſchichte ihrer Zeit, wie die Moyſterien der eleganten Boudoirs. Sie hatten geliebt und ſich und andere getäuſcht, gekämpft und gelitten, getändelt und gerungen, am Spieltiſch um Mitternacht gewacht und über der Weisheit aller Zeiten gebrütet, das Höchſte gedacht und auf das Thörichtſte gehandelt. Sie hatten Alles genoſſen, Vieles erſchöpft, und waren doch nicht ſatt und lebensmüde geworden.
In dieſen Geſprächen, in der Unterhaltung dieſer drei Männer lag für Oskar ein wunderba⸗ rer Reiz. Ein cyniſcher Witz des alten Barons wurde durch einen enthuſiaſtiſchen Kunſterguß des geiſtreichen Virtuoſen unterbrochen, während der Fürſt ſeine ritterlichen Abenteuer mit einer Miſchung von chevalereskem Feuer und kühner Leichtfertigkeit zum Beſten gab. Auch das war Poeſie, lebendig gewordener Geiſt unſerer Zeit. 8


