Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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möchte. Aber dem niederträchtigen Betrüger, dem Werth will ich's gedenken, wenn er wiederkommt.

Der kommt nicht wieder, entgegnete der Makler.

Wiſſen Sie denn nicht, daß der Baron Portheim ihm nachſetzt? Der wird ihn ſchon wie⸗ derbringen, er hat ſich einen ausgezeichneten Po⸗ lizeimann mitgenommen, der eine Stecknadel in ei⸗ nem Kornhaufen findet. Doch was thu' ich mit Werth, wenn mein armer, armer Bruder ſtirbt.

So jammerte und klagte der Wucherer, wäh⸗ rend er zu gleicher Zeit Verwünſchungen gegen den betrügeriſchen Bankier ausſtieß.

Der alte Lazarus fand den Kranken allerdings in einem troſtloſen Zuſtande. Mit eingefallenen Wangen und gelähmten Gliedern ſaß Bernhard in dem alten braunen abgeriebenen Lederſtuhl. Er war gänzlich zuſammengeſchrumpft, mehr einem grauen Schatten als einem menſchlichen Weſen ähnlich. Die Auszehrung, an welcher er ſeit Jah⸗ ren litt, hatte rieſige Fortſchritte gemacht und jetzt ihr letztes Stadium erreicht. Der ſchwache Bruſt⸗ kaſten hob und ſenkte ſich in krampfhafter An⸗ ſtrengung und rang nach Luft, mehr Luft. Nur