Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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macht wurden. Die kleineren Spekulanten, welche um jeden Preis losſchlagen mußten, wehrten ſich ſo gut es ging und kämpften einen verzweifelten Todeskampf. Die Börſe glich in dieſem Augenblick einem Leichenfeld. Zwar ſah man weder Blut noch Wunden, auch hörte man kein Todesröcheln, keinen letzten Seufzer, mit dem das Leben flieht, aber den⸗ noch gab es der Sterbenden hier genug, gebrochene Herzen, erlöſchende Augen, unterdrücktes Stöhnen und heimlich gerungene Hände im Ueberfluß. Manche Exiſtenz war in einem Augenblick vernichtet, man⸗ ches glänzende Haus für immer ruinirt.

Auf den unſichtbaren Trümmern aber ſtand Samuel Roſenberg und lächelte.

Auch Herr Werth fühlte eine tiefe Wunde, aber der Stolz ließ nicht zu, dieſelbe zu beachten. Das warme Herzblut rieſelte daraus, das Leben drohte zu entfliehen, doch auch er ſtand aufrecht und lächelte— im Todesſchmerz.

Sein kaltes Geſicht verrieth durch keine Miene den Verluſt, den er ſo eben erlitten, er verblutete mit dem Anſtand des ſterbenden Gladiators, der im Tode noch mit einem Lächeln die Zuſchauer begrüßt.

Ring, Stadtgeſchichten. III. 14