Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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erblickt man ſie zur feſten Stunde auf der Prome⸗ nade, mit eingekniffener Lorgnette die Vorübergehen⸗ den muſternd, beſonders wenn dieſelben dem weib⸗ lichen Geſchlechte angehören. Nach dieſem Spazier⸗ gange ſpeiſen ſie am Tabel d'hôte in einem der erſten Hôtels der Reſidenz, jedoch zu billigeren Preiſen, da ſie meiſt abonnirt ſind. Gewöhnlich trinken ſie eine halbe Flaſche Rothwein, doch ein⸗ mal in der Woche wenigſtens Champagner. Sie ſtehen mit dem Oberkellner auf vertrautem Fuß und kennen jeden Gargon bei ſeinem Namen. Nach Tiſche beſuchen ſie eine renommirte Conditorei, wo ſie ihren Kaffee einnehmen und die Zeitungen leſen. Der Leitartikel intereſſirt ſie hierbei weit weniger, als das Kursblatt, und die hinten ſtehenden Annon⸗ cen weit mehr als die politiſchen Nachrichten. So⸗ bald der Abend kommt, eilen ſie in die verſchiedenen Theater, doch nur, wenn Oper und Ballet gegeben wird. Mit einigen Tänzerinnen ſtehen ſie in telegra⸗ phiſcher Verbindung, weshalb ſie gewöhnlich in den Proſceniumslogen ihren Sitz zu nehmen pflegen. Gegen das Schauſpiel, und beſonders gegen ein klaſſiſches Repertoir zeigen ſie eine entſchiedene Ab⸗ neigung. Nach der Oper verſchwinden ſte meiſt in 3*⅝