Die Verhandlungen fanden unter einem noch größeren Zudrange des Publikums, als die erſten ſtatt. Der Ausſpruch der vorigen Geſchworenen, die intereſſante Erſcheinung Stüͤrmers, der Ruf ſeiner geiſtigen Ueberlegenheit hatten eine wahrhaft fteberhafte Neugierde hervorgebracht. Das Intereſſe war auf das Höchſte geſtiegen.
Der Aſſeſſor führte ſeine Vertheidigung ſelbſt. Er ſprach drei volle Stunden glänzend, geiſtreich, beſtechend. Seine Rede galt für ein juriſtiſches und oratoriſches Meiſterwerk. Seit Jahren hatte man vor den Aſſiſen Aehnliches nicht gehört.
Alle Welt erwartete ſeine Freiſprechung. Die Geſchworenen zogen ſich zur Berathung zurück. Eine peinliche Viertelſtunde verging. In dem vollge⸗ drängten Saal herrſchte eine erwartungsvolle Stille. Man konnte das Summen einer Fliege hören. Der Obmann trat aus dem Berathungszim⸗ mer. Stürmer ſuchte ſein Geſchick von dem Ge⸗ ſicht des würdigen Papierhändlers zu leſen, der zu dieſem Amt berufen war. Das Antlitz deſſelben war ſo nichtsſagend, daß der Aſſeſſor trotz der Feierlichkeit der Situation leiſe lächelte. Durch den


