Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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raſ't die düſtre Verzweiflung, dort jubelt die aus⸗ gelaſſene Luſt. In jenem Zimmer liegt eine ſtarre Leiche, von heißen Thränen benetzt, in dieſem ein neugeborenes Leben von dem glücklichen Lächeln der Mutter begrüßt. Auf ſchwellendem Divan dehnt ſich der Reichthum, auf elendem Strohlager ſiecht das Elend. Leid und Freude, Tugend und Laſter, Lachen und Weinen, Leben und Tod, dieſe ganze wunderbare Welt wird von vier Mauern einge⸗ ſchloſſen, in denen die Tragödie und das Luſtſpiel des Daſeins mit ſeinem bunten Scenenwechſel an uns vorüberzieht.

Immer größer wird die Stadt. Täglich wächſt das Häuſermeer der Reſidenz. Die Vorſtädte haben längſt die Ringmauern verlaſſen und ſchreiten mächtig weiter in der Ebene vor, welche noch vor Kurzem eine wüſte Fläche war. Gebäude ſchließt ſich an Gebäude an. Hier und da tritt wohl noch eine Lücke ein, wo ein ſchlechter Bretterzaun, aufgefah⸗ rene Kalkſteine und zerſtreute Ziegelhaufen bereits den künftigen Neubau andeuten. Noch fehlt an manchen Stellen das wohlthätige Trottoir, auch die Straßenbeleuchtung iſt nur mangelhaft, und der verſpätete Wanderer eilt mit flüchtigen Schritten

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