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Aber jetzt wußte Charlotte noch weniger, was ſie anführen ſollte.
„Pro secundo,“ wiederholte Hermann.
„Darum... ſiehſt Du... darum...“
Charlotte merkte wohl, daß Hermann ſie nur foppen wollte, und ſie hatte keine Luſt, ihm irgend einen An⸗ haltspunkt zu geben.
„Darum,“ ſagte ſie daher,„darum...“
Aber weiter kam ſie nicht. Hermann wollte ſie je⸗ doch nicht ſo leicht loslaſſen.
„Darum,“ fuhr ſie alſo fort,„darum... darum ... aber Du willſt ja gar keine Raiſon annehmen, be⸗ ſter Hermann... ich habe Dir's ja bereits geſagt... darum weil ich es ihm an den Augen angeſehen habe.“
Hermann lachte über ihre Verlegenheit.
„Arme Schweſter,“ ſagte er,„Du biſt, wenn es Dir ſelbſt gilt, nicht ſo erfindſam, als wenn es Andern gilt. Siehſt Du, ich könnte Dir einen weit beſſern Grund angeben.“
„Wirklich!“
„Pro tertio alſo, darum weil...“
„Nun...“ 5
„Weil er dort auf der Landſtraße einher kommt.“
Charlotte ſprang von ihrem Platze auf, während ein hochrother Purpur ſich über ihre Wangen breitete.
„Mein Gott,“ ſagte ſie, er kommt wahrhaftig.“
„Nun, nun, Schweſter,“ fiel jedoch Hermann ein, „Du brauchſt Dir gar nicht zu ſehr zu ſchmeicheln, denn ich kann Dir nur ſagen, daß ich ihn erſucht habe, hie⸗ her zu kommen. Du weißt, daß ich von ihm Abſchied nehmen und einen Beſuch auf Edsbro vermeiden will.“
Charlotte war wieder ruhig, und betrachtete Her⸗ mann mit einem ſchalkhaft ſchlauen Blick.
„Glaube alſo nicht,“ fügte Hermann hinzu,„daß


