—
Morag, der einſt der Baron von Lorn die Sorge anvertraut hatte, ſeiner Tochter
Amme zu ſeyn, die ihre muͤtterliche Zaͤrt⸗
lichkeit belohnt ſah durch die Erwiederung der kindlichſten Liebe— denn dieſes fuͤße Band ward in Schottland ſtets heilig ge⸗ halten— Morag, ſchon vom Alter nieder⸗ gebengt, ſtand ſeitwaͤrts, und forſchte in Edithas Zuͤgen nach dem, was in ihrem Herzen vorging. Vergebens nahmen die Die⸗ nerinnen die Gewandheit und den Eifer der guten Amme in Anſpruch; ſie ſah wohl, daß ihr Kind ſo gleichguͤltig bei ihrer Sorgfalt war, wie die ſchoͤne Statue einer Heiligen, die des Kloſters Jungfrauen wetteifernd ſchmuͤcken; ſie fuͤhlte, daß Edithas Herz nicht bei die⸗ ſem Pomp ſey; und nachdem ſie dieſe lange genug beobachtet hatte, ſchloß ſie ſie an ihr Herz, als ſie mit dem hochzeitlichen Mantel
geſchmuͤckt war, und fuͤhrte ſie in einen
einſamen Thurm, deſſen ſpitziger Gipfel ſich bis zu den Wolken erhob, und— duͤſtrer Mull ²)! deine tiefe Meerenge beherrſchte, wo gegen einander anſtrebende Fluͤſſe ihre


