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marſchall an die Directoren kam, aus welcher hervorging, daß ihre drei Eilboten nicht angelangt waren. Darauf wurde ich beauftragt, erſt zum General⸗Oberſtlieutenant und dann hierher, und bin in vier Tagen mit gewechſelten Pferden hergeritten. Doch es iſt halb ein Wunder, daß es mir gelungen iſt, denn überall in Böhmen ſtreifen Feinde umher, und Abgeſandte der Jeſuiten ſtacheln die katholiſchen Einwohner auf, ſodaß gegen die Unfrigen Verrath auf jedem Schritte lauert.“
„Dieſe Briefe“, ſagte Thurn mit kalter Faſſung und deutete auf die von Xaver empfangenen Schriften,„beſtäti⸗ gen ganz Eure Ausſagen und unterrichten mich genauer über dieſe argliſtigen Heimtücken.“
Es entſtand wieder eine Pauſe äußerſter Spannung. Thurn rang, man ſah es, mit einem ſchweren Ent⸗ ſchluſſe.
„Oberſtzeugmeiſter von Harrant“, begann er,„um Mit⸗ ternacht, war unſre Abrede, ſollte das Feuer mit Brand⸗ kugeln auf die Stadt beginnen.“
„So iſt es“, erwiderte dieſer.
„Es iſt jetzt zehn Uhr. Laßt auf der Stelle in allen Batterien Befehl geben, daß das Feuern unterbleibt!“
Die Verſammelten, die auflauſchend gerade das Gegen⸗ theil erwarteten, waren wie vom Blitz getroffen.
„Oberſt Schafgotſch, Oberſt Berka, Oberſt Roſenberg, Graf Kinski“, wandte er ſich zu den Andern:„Eure Leute waren befehligt, um zwei Uhr zum Sturm fertig zu ſein. Sie ſollen noch zwei Stunden ruhen, und um Mitternacht zum Abmarſch nach Böhmen bereit ſtehen!“
Ein Ausruf der Beſtürzung ertönte aus Aller Munde. „Thurn!“ rief Berka,„was bedeutet das?“
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