Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179

wie leichte Spreu, ſondern ein Fels, eine Eiche, ſtand er, bis die Gewalt ihn brach.

Er war gebrochen.

Eine tiefe Erſchütterung, eine unwillkürliche Ehrfurcht ergriff alle Umſtehenden. Der Fall des niedern Mannes war gleich dem eines Führers. Durch Thurn's Seele zog es zugleich mit einer düſtern Ahnung; ihn ergriff der Tod dieſes Redlichen wie eine böſe Vorbedeutung. Was er empfand, barg er in der Bruſt, allein unheimlich beſchlich ihn die Ahnung, daß er auf einem Wendepunkt ſeiner Lauf⸗ bahn ſtehe, daß er ſchon auf dem Gipfel ihrer Höhe ge⸗ weſen ſei, und in kleinen wie in großen Zeichen ihm an⸗ gedeutet werde:„Hier war dein Ziel! Dein Lebensgang wendet ſich abwärts! Noch ſtehſt du hoch, aber die Tiefe ſenkt ſich ſteiler und ſteiler, es wächſt die Schnelle des niederziehenden Schwunges! Und weißt du, wie nahe der jähe Abgrund iſt, an deſſen Rande jede Bahn aufhört und im zerſchellenden Sturz endet?....“

Sein Ohr vernahm in dieſer Minute innerer, geheiligter Stille, wo die brauſenden Stimmen eigener Leidenſchaft plötzlich für eine kurze Zeit ſchwiegen, gleichſam das ferne, dumpfe Rollen der Räder des Weltgeſchicks. Doch es war nur ein kurzer Augenblick. Die Nothwendigkeit, die Ge⸗ walt der Kriegszuſtände riß unaufhaltſam vorwärts. Thurn raffte ſeine ganze Kraft zuſammen, den Eindruck zu beherr⸗ ſchen, und gebot:

„Der brave Soldat hier ſoll mit allen Ehren beſtattet werden; er war ein Märtyrer unſerer Sache, unſers Glau⸗ bens. Tragt ihn durch die Laufgräben zurück ins Lager!“—

Noch während er dieſe Worte ſprach und einige Kriegs⸗ knechte hinzutraten, den Leichnam emporzuheben, comman⸗ dirte Schwickardt ſchon abermals ſein„Feuer!“ und der