Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

geworden und noch hatte man ihnen kein Brot, keinen Trunk Waſſer gereicht. Sie fingen an, heftigen Hunger und Durſt zu ſpüren, und mit dieſem ſtellte ſich auch wie⸗ der die Beſorgniß über ihre Lage überhaupt ein.

Da raſſelte ein Schlüſſel. Die Thür wurde leiſe ge⸗ öffnet. Eine lange vermummte Geſtalt, mit einer kleinen Blendlaterne, trat ein; man wußte nicht, war es ein Rei⸗ ter im Mantel, oder ein Mönch in der Kutte. Beide Ge⸗ fangene erſchraken vor dem ſeltſamen Weſen. Mit tiefer Stimme ſprach es:Wollt Ihr Euch retten, ſo folgt mir ſchnell!

Solche Worte läßt ein Gefangener ſich nicht zweimal ſagen. Die Thür war offen, der Fremde ſchritt voran,

Gotthelf und Waldmann folgten, vor Freude und Erwar⸗

tung bebend, dem Schein der Laterne. Sie tappten leiſe die Hausflur des Wachtgebäudes, die in einem ſchmalen Gange beſtand, nach dem Hofe zu hinunter. Deutlich hör⸗ ten ſie vorn in der Wachtſtube Geſang, Lärmen und Glä⸗ ſerklang; Alles war im luſtigen Zechen begriffen.Halt, dachte Gotthelf,das Gelag da hängt mit unſerer Flucht zuſammen, die ſind nicht umſonſt ſo überluſtig, ſie ſollen uns nicht ſtören. Jetzt öffnete der Führer eine kleine Pforte; ſie ſtanden im finſteren Hofe.Hier, mir nach, die Leiter hinauf, ſprach der Führer. Er ſtieg eine Leiter hinan, die an das Fenſter eines Nachbarhauſes angeſetzt ſchienz das Fenſter war offen, er kletterte hinein.Gebt mir die Hand! ſprach er und blies die Laterne aus. Sie tappten einige Schritte vorwärts, eine Thür öffnete ſich und ſie ſtanden in einem kleinen Zimmer, wo auf einem Tiſch in der Ecke ein ſpärliches Talglicht mit langer Schnuppe brannte.Hier zieht Euch dieſe Kleider an, ſprach der noch immer ver⸗ mummte Führer und wies auf zwei Stühle, auf deren je⸗