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Noemi händigte den obigen Bericht Ben Saul ein, damit er ihn an Ben Jakob befördere.
Als ſie den Ghetto wieder verlaſſen wollte, kam ein Menſch haſtig auf ſie zugerannt und ſtieß mit ihr wie von ungefähr zuſammen. Sobald Noemi ſich von dem Schrecken, den dies zähe Aneinanderrennen auf ſie übte, ſich etwas er⸗
holt hatte, und die Hand an das heftig klopfende Herz be⸗ wegte, bemerkte ſie mit nicht geringem Erſtaunen, daß das
Ueberlaufen ſeitens jenes Menſchen kein blinder Zufall ge⸗ weſen ſei, denn er hatte über dieſe Begegnung ihr ein Billet in den Gürtel zu ſtecken gewußt.
Ein geheimer Drang trieb ſie an, den Zettel ſogleich zu öffnen. Sie entfaltete das Papier. Es war nur eine einzige Zeile darin geſchrieben:
„Ich reiſe in die Legation.
Paolo.“ Dieſe Worte waren für Noemi unverſtändlich und dun⸗
kel. Allein eine innere Empfindung zeigte ihr, daß der Name
Paolo einen Widerhall in ihrem Herzen gefunden; ſie glaubte die in ihr hervorgerufene Bewegung recht zu verſtehen, wenn ſie annahm, daß die eben ihr zugekommene Nachricht in ge⸗ heimem Zuſammenhange mit ihrer Liebe und den Intereſſen ihres Volks ſtehe.
Ende des zweiten Bandes.


