„Davor fürchte ich mich.“— „Ich auch, alſo laß ſie gehen und thun, wie ſie will.“ „Gabriele hat eine ſo ſchmerzliche Sanftmuth, eine ſo bittende Trauer im Blick, daß ich zerſchmolzen mit allen Eisworten vor ihr ſtehe, wenn ſie mich anſieht, zudem iſt ſie, trotz aller ihrer unausſtehlichen Empfindſamkeit, immer mein Liebling geweſen.“— Frau Kaiſerling lächelte fein. Ihre Töchter waren überhaupt die Lieblinge aller Ver⸗ wandten und Bekannten, während Sara Vogler oftmals ſcheu von der Seite betrachtet und furchtſam geflohen wurde.
„Aber,“ fuhr indeß Frau Suſanne fort,„ſo kann es nicht bleiben. Gabriele muß ſich zu tröſten ſuchen.— Weißt Du, Gretchen,“ fügte ſie nach einer kurzen Pauſe herzlicher als jemals hinzu,„weißt Du, daß es mir bis⸗ weilen ſcheinen will, als walte noch ein ganz beſonderer Grund vor, der Gabrielen tiefſinnig und traurig macht?“ Frau Kaiſerling zeigte durch eine Geberde, daß ſie gleicher Meinung ſei.—
„Warum haſt Du ſie denn noch nicht danach ge⸗ fragt?“ rief Frau Suſanne eifrig.
„Es fand ſich keine Gelegenheit dazu,“ meinte Frau Kaiſerling.
„Keine Gelegenheit— innerhalb vier Jahren keine Ge⸗ legenheit?“ ſpottete Frau Suſanne und ſah ihrer Couſine forſchend in's Geſicht. Dieſe lächelte wieder, wie vorhin.
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