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junge Mädchen ſcherzend, ob ſie Platz für ſie im Wa⸗ gen hätte.
Eine helle Freude überſtrömte Lyſanna's Antlitz. Ihr heimlicher Wunſch erfüllte ſich. Das dunkle geſtalt⸗ loſe Unbehagen, womit ſie ihrer Heimkehr in's Vater⸗ haus gedachte, erloſch. In Giſela's Begleitung lag eine Rechtſprechung der beſchleunigten Rückkunft und ſie ging der peinlichen Auseinanderſetzung mancher Verhältniſſe dadurch aus dem Wege.
Giſela verließ ſie, um eiligſt ihre Zurüſtungen zu treffen und ſchriftlich ihren Bruder in Kenntniß zu ſetzen. Wie von einem Traume befangen blieb Lyſanna zurück.
In dem Lichtſtrome, der ſie nach dem Schatten ihrer trüben Erfahrungen umfloß, glühte vor Allem der Gedanke an die vertrauliche Zärtlichkeit, womit Giſela ſie an ſich gekettet hatte. Die Schranken zwiſchen ihnen waren gefallen. Ohne Ueberlegung hatte ſich ein ſchwe⸗ ſterliches Verhältniß ausgebildet, das längſt wohl vorbe⸗ reitet, aber dennoch ſchwerlich ohne die Ereigniſſe der Gegenwart ſo raſch zur Blüthe gekommen wäre. Die Kraft der Selbſtändigkeit war zugleich die Vermittlerin zur geiſtigen Ebenbürtigkeit geworden. Die ſchüchterne Kindlichkeit Lyſanna's war unter dem Drange dieſer Kraft erloſchen, aber der Zauber der kindlichen Anmuth


