Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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einem Schauer von Furcht und Freude wurde ich ſei⸗ ner gewahr und meine Augen ruhten feſt auf ſeiner Geſtalt.

Giſela ſchwieg, um nicht durch Widerrede die Phan⸗ taſie des jungen Mädchen noch mehr zu verwirren. Augen⸗ ſcheinlich war Lyſanna einer Sinnestäuſchung verfallen geweſen, wie ſie ſonſt nur in dem Zuſtande zwiſchen Schlaf, Traum und Erwachen vorzukommen pflegt. Die Möglichkeit einer phantaſtiſchen Einbildung lag in Ly⸗ ſanna's überreiztem Gemüthe. Was ſich daran beſtrei⸗ ten ließ, das wich von ſelbſt unter der Beſchwichtigung der Zeit, alſo handelte man mit weiſer Ueberlegung, wenn man die Erinnerung nicht von Neuem weckte.

Ich hätte Dir nie ſo viel Muth zugetraut, begann Giſela nach kurzer Pauſe, während ſie ihr Auge auf die Reiſeeffecten Lyſanna's ruhen ließ,ich hätte nie geglaubt, daß Du, als die Tochter Deines Vaters ſo feſt einem Kampfe entgegentreten würdeſt.

O, ich bin nicht allein meines Vaters Tochter, antwortete Lyſanna mit einigem Stolze,ich bin auch meines Oheims Nichte.

Giſela wechſelte raſch die Farbe, als ſie erwiederte: Wohl Dir, daß Ely's Geiſt ſich in die Erziehung ein⸗ ſchlich, die Du in der Einſamkeit Deines Dorflebens em⸗ pfingſt. Dieſer Geiſt hat Dich wahrſcheinlich aus gro⸗