Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
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unangenehm waren. Es gereichte auch dem heraufge⸗ ſtiegenen Staatsmanne keinesweges zum Vergnügen, wenn ſich dieſe Dame mit liebenswürdigem Humor in Erzählungen vertiefte, worin er eine Rolle ſpielte. Das letzte Zuſammentreffen mit ihr hatte ihn von aller Luſt kurirt, ſeine Eroberungskünſte bei ihr zu verſuchen, und als ſie eines Tages wagte, ihn um ſeine Fürſprache für den unglückſeligen Kabinetsſecretair Menzel zu bitten, da aus ſeiner Hand der Pfeil geflogen, der das Lebensglück dieſes Mannes auf Bahnen gelenkt, wo es ſcheitern mußte, da ſchwor er mit ſtillem Ingrimme ihre Nähe zu meiden, um nicht von ihren läſtigen Plaudereien incom⸗ modirt zu werden.

Er vermählte ſich in ſpätern Jahren aus ehrgeizigen Beweggründen mit der alternden, geiſtreichen Tochter eines kleinen Fürſtenhauſes. Dieſe Ehe mag ſo ziemlich auf den Grundſätzen baſirt geweſen ſein, die er in der Zeit ſeiner idealen Weltanſchauungen gepflegt hatte. Er ſtarb kinderlos, vom Lande beklagt und betrauert, denn die Einwohner des Landes glaubten ihm Dank zu ſchulden.

Gertrud's Erzählungen, die ſie mit unverminderter Luſt bis zu ihrem Greiſenalter wiederholte, legten ſich im Gedächtniſſe ihrer Angehörigen nieder und gingen traditionell von Mund zu Mund. Aus dieſen Quellen