Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

Kouriere mit der Nachricht ihrer heimlich gehaltenen Ver⸗ heirathung in die Welt hinaus. Das Siegel des drücken⸗ den Geheimniſſes war gelöſt, und ſie jubelte es ihren Freunden zu, wie glücklich, wie begnadigt von Gott ſie ſei. Alle, die ſie liebten, ſollten kommen und ſehen! Und in kurzer Zeit hallte das Schloß, das ſo lange öde ge⸗ ſtanden, von Luſt und Heiterkeit wieder. Sie kamen wirk⸗ lich von Rittbergen, Brettowroda und der Probſtei eiligſt herbei, um zu ſchelten, zu lachen und ſchließlich die junge Hausfrau zu umarmen.

Frau von Pröhl nahm von dieſer Zeit an mit ihrem Gemahle Wohnung bei Gertrud. Der Domherr aber kehrte in ſeine alte Probſtei zurück, wo er ferner mit noch größerem Eifer und vermehrten Mitteln ſeinen alchymi⸗ ſtiſchen Künſten oblag. Gertrud bewahrte ihm bis an ſein Lebensende ein dankerfülltes Herz und das war ſeinem Beutel ſehr zuträglich. Sein Klavier ging erb⸗ und eigen⸗ thümlich auf ſie über, als er das Zeitliche ſegnete. Es ſteht noch jetzt wohlverwahrt in einem kleinen Gemache des geräumigen Schloſſes, worin die Nachkommen Ger⸗ trud's hauſen, und die Bedeutung des altmodigen Muſik⸗ kaſtens lebt im Munde dieſer Nachkommen.

Die Menſchen, welche wir durch die ſcharfen Strö⸗ mungen ihres Jugendlebens begleitet haben, waren und blieben glücklich. Die Familien mehrten ſich und ſie