„Narrenspoſſen! Ein Edelmann ſucht ſeine Dame auf und begrüßt ſie ſtandesgemäß!“ rief der alte Herr erbittert.„Wo hat er Dich geſprochen?“
„Er hat mich gar nicht geſprochen! Er iſt zu ſtolz, um mich bei einem Verwandten aufzuſuchen, der notoriſch ein Preußenfeind iſt!“ antwortete das Fräulein keck.
„Wenn er das weiß, hat er in Dresden nichts zu ſuchen!“ wetterte der Feldmarſchall.
„Das geht keinen Menſchen etwas an, daß er hier in Dresden ſich aufhält,“ rief Gertrud.„Es ſind Tau⸗ ſende von Preußen in Dresden, aber man weiß es nicht, weil ſie ausſehen, wie gewöhnliche Menſchen. Was kann der Junker Wolf von Brettow dafür, daß er ſchön iſt, wie ein Götterſohn, daß Aller Blicke auf ihm haften, daß er auffällt, und wenn er in ſeinem miſerablen Reiter⸗ mantel gehüllt einhergeht. Ich verlange, Onkel Excel⸗ lenz, daß Sie meinen Freund ſchützen vor jeder Unbill, daß Sie jeden Gedanken einer Verfolgung von vorn⸗ herein aufgeben!“
„Das werde ich wohl bleiben laſſen!“ antwortete Excellenz mit einiger Lungenanſtrengung.
„Excellenz, ich laſſe meinem Freunde kein Haar krümmen!“ drohete Gertrud. 1
Der Feldmarſchall lachte erbittert und antwortete
nicht.


