Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Man hörte nichts von Oswald. Der Winter kam ins Land. Das Reich Weſtphalen verſchwand bei ſei⸗ nen erſten kalten Nächten, als ſei es im Nebel aufge⸗ löſet, wie es aus wüſten Wetterwolken entſtanden war.

Immer weiter zurück zogen ſich die Männer, welche mit

Wehr und Waffen ihre Heimath verlaſſen z ckung fremder Staaten. Kühn vorwärts drange der Verbündeten.

Der Frühling kam. Ein Jahr, ein einziges Jahr hatte hingereicht, um Deutſchland aus dem Joch zu be⸗ freien und Napoleon's Siegesſtolz zu brechen.

Wieder war es März, als die beiden Monarchen, die vor Jahresfriſt in Schleſiens Gauen hoffnungsvoll der Kraft der Völker vertrauten, Hand in Hand auf

der Höhe von Chaumont ſtanden und mit gerechter

Genugthuung auf Paris hinſchaueten, das ſich ſo eben der Großmuth der feindlichen Heere ergeben hatte.

Während der Kaiſer Napoleon mit ſprachloſem Entſetzen die erſte Nachricht ſeiner Niederlage empfing, ſtanden dieſe beiden Herrſcher im Abendglanze auf der Höhe und gedachten mit Wehmuth der Opfer, die die⸗ ſer endliche Sieg gekoſtet hatte.

Vor allen Dingen drängten ſich dem Könige von Preußen die Leidensjahre in's Gedächtniß, wo er ge⸗ beugt und gedemüthigt der Uebermacht hatte weichen müſſen, wo er an der Seite ſeiner Gemahlin hülflos