nicht eher, als bis ich von Virginien vallſtändigt Aufklärung erhalten hätte.
Ich wartete auf eine Gelegenheit, um dieſe her⸗ beizuführen; nicht als ob ſich deren Viele dargeboten hätten, denn ſehr oft konnte ich mit Virginien unter vier Augen ſprechen— wohl aber ward mir bei jeder Gelegenheit mein Entſchluß untreu. Ich fürchtete geradezu, ſie zu einem Geſtändniſſe zu nöthigen.
Und dennoch fühlte ich, daß es meine Pflicht war. Als ihr Bruder, ihr nächſter männlicher Ver⸗ wandter, hatte ich die Aufgabe, ihre Ehre zu ſchützen und das Wappen unſerer Familie rein und unbefleckt zu erhalten.
Tage lang ward ich von dieſer brüderlichen
Pflicht zurückgehalten— theils durch natürliches Zartgefühl— theils durch die Furcht vor der Ent⸗
hüllung, die ich vielleicht auf dieſe Weiſe herbeiführte. Ich ſcheute mich, die Wahrheit zu erfahren. Daß
ein Verkehr zwiſchen meiner Schweſter und dem in⸗ dianiſchen Häuptlinge ſtattgefunden— daß er aller Wahrſcheinlichkeit nach noch ſtattfand— daß eine
heimliche Zuſammenkunft ſtattgehabt— vielleicht mehr
als eine— alles Dies wußte ich recht wohl. Aber
wie weit war dieſer Verkehr gegangen? In wie weit hatte meine arme Schweſter ſich compromittirt?


