250
Stephan ſprach in dem alten ſcherzenden Ton. Er faßte Gurli's Hand, drückte dieſelbe an ſeine Lippen und fügte mit einem ironiſchen Lächeln hinzu:
„Erlaube, ſchöne Burgfrau, daß ich als Ver⸗ wandter die Hand küſſen darf, welche ich mir zum Willkommsgruß als Gaſt gereicht zu ſehen vergeblich erwartete.
Hierauf wurde ein leichtes Souper ſervirt.
Gurli machte die Honneurs. Sie ſprach mit Madame Teverino über Muſik und Tagesneuigkeiten, und benahm ſich ziemlich ſo, wie ſie, ſo weit die würdige Dame ſich erinnerte, bei dem frühern Auf⸗ enthalt derſelben zu Birgersborg ihr erſchienen war.
Vielleicht bemerkte die ſchlaue Frau, was Amy, da dieſe ausſchließlich von Stephan in Anſpruch ge⸗ nommen war, entging, daß nämlich hinter Gurli's Höflichkeit ein gewiſſer Stolz lag, welcher den Abſtand zwiſchen der Herrſcherin des Hauſes und der Sängerin abmaß, und daß Gurli durchaus nicht geneigt war, die beiden Ausländerinnen ſich nur um einen Zoll näher kommen zu laſſen, als da wo ſie jetzt waren.
Nach dem Souper trennte man ſich. Allon war höchſt unzufrieden mit ſich ſelbſt und bereute es, daß er den Teverinos nicht abgeſchrieben hatte.
Er fand ſeine Stellung unbehaglich und ärgerte ſich genug darüber, daß er Stephan veranlaßt hatte, nach Birgersborg zu kommen.
Was war der Gewinn davon?
Je nun, daß er mit eigenen Augen eine alte
Liebesaffaire zwiſchen Amy und Stephan ſich wieder anſpinnen ſah. Darum hatte er das freundliche Ver⸗
hältniß zwiſchen ſich und Gurli geſtört, denn Gurli's


