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Genial : Roman / von Heribert Rau
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erfaßte ihn plötzlich ein beängſtigendes Gefühl, eine Art Schaam. Sein Geſicht glühte und er ſcheute ſich weiter zu gehen.

Wenn dies das gute Kind wäre, dachte Wellen bei ſich, die ich eben im Begriff ſtehe, mit ihrem Bru⸗ der ſchriftlich einzuladen, und ſie bemerkte mich jetzt, wie ich meinen eignen Brief bringe, würde ich mich nicht lächerlich machen?— Lächerlich!— das iſt die Stelle, an welcher wir Männer alle ſterblich ſind; lieber ſchuldig als lächerlich. Und er ſtellte ſich in den Gang eines nahen Hauſes, ſo daß man ihn nicht bemerken, er aber die Geſchäftige ſehen konnte.

Jetzt wandte ſie ſich nach dem Fenſter, einen Vor⸗ legteppich ausſchüttelnd.

Welch' allerliebſtes, kindlich⸗gutes Geſichtchen!— Wahrlich wenn dieſe Züge Unſchuld und Frömmig⸗ keit heuchelten, dann müßte die ganze Natur lügen. Und welche Jugendfriſche, welch' heiterer, froher, dan⸗ kender Blick. Keine Spur von kränkelnder Bläſſe, trotz dem anhaltenden Arbeiten; kein finſterer Zug, ungeachtet der drückenden Lage. Dankbarkeit, wo Andere gemurrt haben würden— fromme Ergebung, wo Tauſende verzweifelt wären.

Und doch jene kindliche Koketterie dabei, die dem weiblichen Geſchlechte angeboren iſt, und ihm einen